Hautbild & Akne · 20.7.2026

Lactoferrin bei Akne

Was der Wirkstoff kann und was nicht

Hautärtzin Dr. Nóra Eiler im Beratungsgespräch

Wer sich mit Akne beschäftigt, stößt neben den bekannten Mitteln irgendwann auf einen Begriff, der zunächst nicht nach Hautmedizin klingt: Lactoferrin, ein Eiweiß aus der Milch. In mehreren Studien wurde untersucht, ob es bei Akne hilft — und in meiner Ordination kommen dazu regelmäßig Fragen. Diese Übersicht erklärt in einfachen Worten, was Lactoferrin ist, was die Studien zeigen und für wen der Wirkstoff sinnvoll sein kann — und für wen nicht.

Was ist Lactoferrin? und was hat ein Milchprotein mit Akne zu tun?

Lactoferrin ist ein Eiweiß, das unser Körper selbst kennt — es steckt zum Beispiel in Muttermilch, Speichel und Tränen und gehört zur natürlichen Abwehr. Als Nahrungsergänzung wird es aus Kuhmilch gewonnen. Für die Haut ist vor allem eine Eigenschaft wichtig: Lactoferrin kann Eisen an sich binden.

Genau dieses Eisen-Binden greift an mehreren Punkten der Akne-Entstehung. Die Bakterien, die Entzündungen in der Haut fördern — die sogenannten Aknebakterien — brauchen Eisen zum Wachsen. Bindet Lactoferrin das Eisen, nimmt es ihnen einen Teil dieser Grundlage. Zusätzlich wirkt es entzündungshemmend und bremst die Talgproduktion, also das Hautfett, das bei Akne oft zu stark fließt.

Der Ansatz liegt damit bei der Entzündung selbst, nicht beim Hormonhaushalt. Gerade für erwachsene Frauen mit unreiner Haut ist dieser Unterschied in der Beratung wichtig. Lactoferrin bleibt aber eine Ergänzung — kein Hormonpräparat und kein Ersatz für eine ärztliche Aknebehandlung.

Lactoferrin Wirkmechanismus | Hautärztin Dr. Nóra Eiler

Was zeigen die Studien wirklich?

Zwei Studien liefern die wichtigsten Zahlen — die Ergebnisse sind ordentlich, aber die Studien waren klein. Beides gehört zu einer ehrlichen Einordnung dazu.

In einer Studie aus dem Jahr 2010 nahmen Erwachsene mit Akne zwölf Wochen lang täglich Lactoferrin ein — mit sichtbaren Verbesserungen gegenüber einer Vergleichsgruppe ohne Wirkstoff.1 Die entzündeten Stellen gingen um rund 38 Prozent zurück, die Gesamtzahl der Unreinheiten um etwa 23 Prozent, und die Haut produzierte rund 31 Prozent weniger Talg. Teilgenommen haben allerdings nur 36 Personen.

Eine größere Studie aus dem Jahr 2017 kombinierte Lactoferrin mit Vitamin E und Zink und begleitete 168 Personen über drei Monate.2 Erste Effekte zeigten sich schon nach zwei Wochen, die deutlichste Wirkung nach etwa zehn Wochen: rund 44 Prozent weniger entzündete Stellen, etwa 32 Prozent weniger Mitesser und rund 28 Prozent weniger Unreinheiten insgesamt — ohne dass Nebenwirkungen auftraten.

Zwei Dinge sind für die Bewertung wichtig: Untersucht wurde jeweils eine leichte bis mittelschwere Akne — und in der Studie von 2017 wirkte Lactoferrin gemeinsam mit Zink und Vitamin E. Diese beiden Stoffe spielen für eine normale Haut ohnehin eine anerkannte Rolle. Die Zahlen gelten also nicht für schwere Fälle und nicht sicher für Lactoferrin allein.

Lactoferrin Studienvergleich | Hautärztin Dr. Nóra Eiler

Für wen ist Lactoferrin sinnvoll — und für wen nicht?

Lactoferrin ist vor allem bei leichter bis mittelschwerer Akne einen Versuch wert — als sanfte Ergänzung, nicht als Ersatz für eine medizinische Behandlung. Genau dafür gibt es die Daten.

Besonders hilfreich kann der Wirkstoff sein, wenn übliche Aknemittel nicht infrage kommen — etwa bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. In dieser Zeit dürfen viele bewährte Medikamente nicht angewendet werden. Ein gut verträglicher, natürlicher Ansatz gewinnt dann an Bedeutung — sollte aber immer ärztlich abgeklärt werden.

Bei schwerer Akne mit Knoten oder Narbenbildung ist Lactoferrin der falsche Weg — hier kostet Abwarten Haut. Solche Verläufe brauchen eine konsequente Behandlung, damit keine bleibenden Narben entstehen. Wer Milcheiweiß nicht verträgt, verzichtet ohnehin.

Wie ordne ich Lactoferrin neben den üblichen Aknemitteln ein?

Die bewährte Aknebehandlung bleibt die Basis — Lactoferrin ist bestenfalls eine Ergänzung bei leichten Formen. Die üblichen Mittel gegen Akne — zum Beispiel Cremes mit Vitamin-A-Säure, Benzoylperoxid oder, wenn nötig, Antibiotika und eine hormonelle Behandlung — sind gut untersucht und wirksam. Daran ändern die Lactoferrin-Studien nichts.

Was der Wirkstoff kann, ist eine Lücke füllen — für Menschen, die bisher zwischen „nichts tun" und „starkem Medikament" standen. Für leichte Verläufe, für die Zeit rund um eine Schwangerschaft oder begleitend zu einer laufenden Behandlung kann er einen Platz haben, wenn die Erwartung realistisch bleibt. Ein Rückgang von etwa einem Drittel der Unreinheiten über mehrere Wochen ist hilfreich — aber kein Knopfdruck.

Was das für Ihre Haut bedeutet

Lactoferrin ist ein natürlicher, gut verträglicher Wirkstoff, der bei leichter bis mittelschwerer Akne in Studien echte, wenn auch moderate Verbesserungen gezeigt hat — vor allem bei entzündeten Stellen und zu viel Talg, und über die Entzündung statt über die Hormone. Entscheidend bleibt die Einordnung: Bei schwerer oder narbiger Akne führt kein Weg an einer konsequenten Behandlung vorbei, und auch ein sanfter Wirkstoff sollte zur eigenen Haut passen — nicht zum Trend.

Wenn Sie unsicher sind, wo Ihre Akne steht und ob Lactoferrin für Sie sinnvoll ist, schauen wir uns Ihr Hautbild in Ruhe an. Eine persönliche Einschätzung ist Teil jeder Aknesprechstunde in meiner Ordination.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information über den Wirkstoff Lactoferrin und ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel.

Quellen

  1. Kim J, Ko Y, Park Y-K, Kim N-I, Ha W-K, Cho Y. Dietary effect of lactoferrin-enriched fermented milk on skin surface lipid and clinical improvement of acne vulgaris. Nutrition. 2010;26(9):902–909.
  2. Chan H, Chan G, Santos J, Dee K, Co JK. A randomized, double-blind, placebo-controlled trial to determine the efficacy and safety of lactoferrin with vitamin E and zinc as an oral therapy for mild to moderate acne vulgaris. International Journal of Dermatology. 2017;56(6):686–690.
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